Künstliche Fette – Transfette – Krankmacher

Künstliche Fette – Transfette – Krankmacher

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profil 05/05

Ernährung: Künstliche Krankmacher –
In welchen Produkten die Gefahr lauert

Manche Backwaren, Pommes und Hamburger enthalten künstliche Fette, die Menschen krank machen


Imbissketten: Fast Food im Visier
Belastende Studien und Werbebeschränkungen


„Alarmierend schlechte Werte“
Wagner über Seifenblasen in der Ernährungslehre

Reaktionen: Aus-stieg wird überlegt
Wie die Transfett-Sünder auf die Studie reagierten

In Dänemark wurden diese so genannten Transfette deshalb per Gesetz verboten. profil zeigt, in welchen Produkten die Gefahr lauert.

Die Harvard University in Boston gilt weltweit als erste Instanz in Fragen der Ernährung. Unter der Leitung von Walter Willett werden an der renommierten Forschungsstätte die Daten von drei der aufwändigsten Langzeitstudien ausgewertet und interpretiert, die in der Medizin je durchgeführt wurden. Im Rahmen dieser Untersuchungen konnten die zentralen Zusammenhänge zwischen Ernährung und Diabetes aufgeklärt werden. Die Daten lieferten grundlegende Erkenntnisse über die Rolle der Vitamine und gaben Entwarnung bei der Frage, ob Fett generell das Krebsrisiko erhöhe.

Befragt allerdings, welches der mit Abstand schädlichste Faktor in der Ernährung der Bevölkerung ist, kommt Willett auf ein ganz spezielles Thema: Transfette, künstliche Fettsäuren, die bei der industriellen Härtung von Pflanzenölen entstehen. Die enorme Zunahme an Herzkrankheiten im Lauf des 20. Jahrhunderts könnte laut Willett darin ebenso eine der Hauptursachen haben wie die Epidemie bei Diabetes. „Wahrscheinlich sind Millionen von Menschen vorzeitig gestorben, weil unsere Nahrung zu viele Transfette enthält.“

Vorteile bringen diese Fette nur für die Industrie. Gehärtete Öle sind billig, werden nicht ranzig und müssen in den Frittierbuden seltener getauscht werden. Sie färben die Pommes goldgelb, verleihen dem pflanzlichen Schlagobers Festigkeit und verhelfen Croissants zu ihrer knusprigen, luftigen Konsistenz. „Im menschlichen Stoffwechsel“, sagt Willett, „verhalten sie sich allerdings wie pures Gift.“

Knalleffekt. Mit dieser Einschätzung steht Willett nicht allein. Unzählige Arbeiten befassten sich in den vergangenen Jahren mit allen nur möglichen gesundheitlichen Aspekten von Trans-Fettsäuren. Beispielsweise mit ihrer Rolle bei der Entstehung von Diabetes, Krebs, Allergien oder mit störenden Einflüssen auf die frühkindliche Entwicklung im Mutterleib. Und die große Mehrzahl der Studien kam zu alarmierenden Resultaten – vor allem im Tierversuch, wo ja die Simulierung einer Fehlernährung wesentlich leichter durchführbar ist als beim Menschen. Lotta Granholm, Professorin für Neurowissenschaft an der Charleston Southern University, South Carolina, fütterte eine Gruppe von Ratten mit einer erhöhten Dosis Trans-Fettsäuren, eine andere Gruppe erhielt dieselbe Menge an Fett – allerdings aus ungehärtetem Sojaöl. „Ich hätte nie gedacht, dass ein so geringer Eingriff in die Diät einen derartigen Effekt hat“, berichtet Granholm im Gespräch mit profil.

In einem Labyrinth sollten die Ratten zu Testzwecken eine Schale mit Wasser suchen. „Die Transfett-Gruppe hatte deutliche Lernschwierigkeiten und brauchte fünfmal so lange, bis sie zum Trinken fand.“ Es stellte sich heraus, dass die Tiere an einer systemischen Entzündung im ganzen Körper litten, die auch die Gehirnzellen erfasste. „Natürlich“, sagt Granholm, „kann man das jetzt nicht eins zu eins auf den Menschen übertragen. Wir wissen allerdings, dass Entzündungen bei Atherosklerose und Diabetes bis hin zu Alzheimer eine Schlüsselrolle spielen.“

Wissenschaftlich eindeutig bewiesen ist der Zusammenhang beim Menschen bisher allerdings nur bei den Herz- und Gefäßkrankheiten. Der Humanbiologe Ronald Mensink von der Universität Maastricht formulierte die Kernaussage in einer kürzlich erschienenen Übersichtsarbeit so: „Die Eliminierung von Trans-Fettsäuren aus der Nahrung und ihr Ersatz durch nicht gehärtete Pflanzenöle ist die effektivste Einzelmaßnahme, die man treffen kann, um die Blutfettwerte zu verbessern und das Risiko von Herzkrankheiten zu minimieren.“

Transfett-Gesetz. Für Steen Stender, Professor für präventive Kardiologie und Leiter der Dänischen Ernährungskommission, war die Beweislast längst erdrückend. Er empfahl der damaligen Ernährungsministerin Mariann Fischer Boel, endlich Taten zu setzen. Seit dem Vorjahr ist in Dänemark der Verkauf von Nahrungsmitteln mit mehr als zwei Prozent industriell hergestellten Trans-Fettsäuren gesetzlich verboten. Für Zuwiderhandelnde, „die das Gesetz wissentlich brechen und damit die Konsumenten gesundheitlich gefährden“, ist eine Haftstrafe von bis zu zwei Jahren vorgesehen.

„Der Aufschrei der Nahrungsmittelindustrie war enorm“, erzählt Stender. „Sie drohten mit Betriebsschließungen, Teuerungen und Boykott. Doch nun, nach einem Jahr, merken wir gar nichts davon. Es war für alle Betriebe möglich umzustellen. Sogar die Fast-Food-Ketten verwenden nun in Dänemark gesünderes Frittieröl als überall sonst auf der Welt.“

Mit ihrem Antrag, diese Regelung auch in die EU zu übernehmen, blitzten die Dänen in Brüssel allerdings ab. „Hier konnte sich die Industrielobby leider durchsetzen“, bedauert Stender, der darauf hofft, dass die Berufung von Ministerin Fischer Boel zur neuen EU-Agrarkommissarin einen Umdenkprozess einleitet.

Wissenslücken. In einem im Juli 2004 veröffentlichten Report der Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA wird zwar zugestanden, dass Trans-Fettsäuren das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen, überall sonst seien die Daten jedoch widersprüchlich. „Auch die Auswirkungen auf das fötale und frühkindliche Wachstum und die Entwicklung müssen noch weiter erforscht werden.“

Steen Stender macht diese Argumentation fassungslos: „Warum sollte etwas weiterhin in der Nahrung enthalten sein dürfen, von dem kein einziger positiver Aspekt bekannt ist, dafür aber eine Unzahl negativer – auch wenn manche davon noch nicht bis ins Detail erwiesen sind. Gerade weil Trans-Fettsäuren ein Industrieprodukt sind, wäre es kinderleicht, sie aus dem Herstellungsprozess zu entfernen.“

Transfette gibt es seit Erfindung der Margarine vor mehr als 100 Jahren. Zuvor war streichbares Fett nur in Form von Butter oder Schmalz bekannt. Die Fettversorgung war stets eine wesentliche Grundlage der menschlichen Ernährung. Die besonders energiereichen Fette machen schwere körperliche Arbeit erst möglich. Diese ausreichend zu bekommen war in der Mangelgesellschaft des 19. Jahrhunderts gar nicht so leicht. Besonders bei militärischen Aktionen, wo es galt, eine große Anzahl von Soldaten möglichst billig bei Kräften zu halten. Um die Fettversorgung der französischen Armee zu sichern, erteilte Kaiser Louis Napoleon III. den Auftrag, ein geeignetes Speisefett zu entwickeln. Im Jahr 1869 verarbeitete der Wissenschafter Hippolyte Mége-Mouriés eine Mischung aus Rindertalg und Magermilch zu einer Substanz, die streichfähig war und perlenartig schimmerte. Der Name der neuen Substanz stammt vom griechischen Wort margaron, die Perle.

Mangelware. Zwar war diese Margarine nur noch halb so teuer wie Butter, allerdings benötigte man zur Herstellung nach wie vor tierisches Fett. Und dies war im Gegensatz zu den Pflanzenölen Mangelware. Flüssiges Öl konnte man aber schwerlich aufs Brot streichen. 1902 kam dem deutschen Chemiker Wilhelm Norman die Idee, die ungesättigten Fettsäuren im Öl über eine chemische Reaktion zu härten und in gesättigte zu verwandeln (siehe Grafik Seite 91). Damit steigt der Schmelzpunkt, und die künstlichen Fette werden bei Zimmertemperatur streichfähig, so wie Butter oder Schmalz, die ihre Konsistenz ebenfalls gesättigten Fettsäuren verdanken. Das besonders Angenehme an dieser Erfindung ist die Möglichkeit, je nach gewünschtem Endergebnis mit der Härtung vorzeitig aufzuhören.

Bei der teilweisen Härtung bleiben noch große Mengen von ungesättigten Fettsäuren im Endprodukt zurück. Doch sehen diese nun nicht mehr so aus wie die Ausgangsstoffe. Bei vielen Fettsäure-Molekülen ist nämlich das Wasserstoff-Atom auf die andere Seite – die Trans-Seite – des Kohlenstoff-Atoms gesprungen. Dieser unscheinbare Vorgang bedeutet allerdings eine enorme Veränderung der chemischen Eigenschaften. Die Ölsäure, ein Hauptbestandteil vieler Ölsaaten wie Oliven oder Raps, verwandelt sich dann beispielsweise in die Elaidinsäure, eine – wie man heute weiß – besonders ungünstige Trans-Variante. Weil die Säure nun nicht mehr geknickt ist, sondern lang gestreckt, sind diese Fette molekular viel dichter gepackt. Sie neigen weniger zur Oxidation, werden nicht so schnell ranzig und sind höher erhitzbar. Die Industrie stürzte sich mit Feuereifer auf diese Produktionstechnik. Bald wurden Trans-Fettsäuren überall verwendet, wo gebrutzelt, geschmiert oder frittiert wird. Noch bis in die achtziger Jahre enthielten Margarinen Transfett-Anteile von bis zu 30 Prozent.

Fehlschluss. „Das hielt man ursprünglich sogar für einen gesundheitlichen Vorteil“, erzählt Karl-Heinz Wagner, Ernährungswissenschafter an der Universität Wien. „Denn immerhin waren Trans-Fettsäuren ja ungesättigt und galten damit als überlegen gegenüber den tierischen Fetten.“ Die Fettindustrie machte sich diesen Irrglauben sofort in der Werbung zunutze. Viele in Wahrheit Transfett-verseuchte Produkte warben am Etikett mit attraktiven Blumenmotiven und dem Hinweis, sie seien besonders gut fürs Herz.

Es war wiederum Harvard-Mastermind Walter Willett, der dieses Vorurteil als gefährlichen Irrtum entlarvte. In seinen Langzeitstudien bemerkte er nämlich einen immer deutlicher hervortretenden Zusammenhang zwischen Margarinekonsum und schweren Herzkrankheiten. Im Jahr 1994 veröffentlichte er einen aufsehenerregenden Bericht, in dem er errechnete, dass in den USA jährlich etwa 30.000 Menschen allein aufgrund des hohen Transfett-Gehalts in Margarine vorzeitig den Herztod sterben.

Vor allem in Europa fiel diese Nachricht auf fruchtbaren Boden. Während in den USA viele Produzenten weitermachten wie bisher, stellten viele europäische Konzerne ihre Rezepturen um und verbesserten die technischen Abläufe in Produktionsanlagen. „Bei uns sind es nun bald zehn Jahre, dass wir vollständig ohne teilgehärtete Fette auskommen“, erzählt Konrad Schröder von Unilever Austria. Die künstlichen Trans-Fettsäuren wurden durch eine Mischung aus flüssigen Ölen mit festen natürlichen Fetten aus Palm-, Palmkern- und Kokosfett ersetzt. Schwieriger fiel hingegen die Umstellung bei der so genannten Ziehmargarine, wie sie von Bäckereien verwendet wird, um die typische Konsistenz von Plunder und Blätterteiggebäck zu erzielen.

Kompliziert wird die ohnehin für Laien nicht leicht zu durchblickende Transfett-Problematik noch durch die Tatsache, dass auch im Fett von Kühen und Schafen Trans-Fettsäuren enthalten sind. Sie entstehen im Wiederkäuer-Magen durch den Einfluss von Bakterien und bilden einen Anteil von bis zu fünf Prozent am Gesamtfett. Das Argument „Dann müsste man auch Milch oder Butter verbieten“ taucht reflexartig in jeder Stellungnahme der Industriebetriebe auf, wenn eine Reduktion oder ein Verbot der Transfette diskutiert wird. Und auch im Bericht der EFSA findet sich die Feststellung, dass es „gegenwärtig keine Analysemethoden gibt, die zwischen den von Natur aus in Lebensmitteln vorkommenden Trans-Fettsäuren und den bei der Verarbeitung von Fetten, Ölen oder Lebensmitteln entstehenden Trans-Fettsäuren unterscheiden“.

Irrmeinung. Der Ernährungswissenschafter Gerhard Jahreis, einer der profiliertesten Fettexperten Deutschlands, kann sich über diese Aussage nur wundern. „Das gilt schon seit vielen Jahren nicht mehr. Wir können heute anhand des Trans-Fettsäure-Musters diese Unterscheidung ganz einfach treffen.“ Milchprodukte enthalten überwiegend die so genannte Vaccensäure (von lat. vacca, die Kuh), eine der wenigen unter den mittlerweile mehr als 50 bekannten Trans-Fettsäuren, von der positive Wirkungen bekannt sind. „Sie wird im Stoffwechsel zu einem beträchtlichen Teil in konjugierte Linolsäure umgewandelt, von der wir wiederum wissen, dass sie entzündungshemmend wirkt, das Immunsystem stärkt und im Tierversuch sogar vor Krebs schützt“, erklärt Jahreis. „Je besser eine Kuh gehalten wird, umso höher ist der Gehalt an Vaccensäure. Wenn Sie eine Kuh hingegen nicht auf die Wiese lassen und wie ein Schwein füttern, so gibt sie schlechte Milch, und der Gehalt an Vaccensäure sinkt rapide ab.“

Bei der industriellen Härtung fällt zwar auch ein geringer Anteil an Vaccensäure an, aber die ungünstigen Transfette überwiegen (siehe Grafik Seite 91). „Eine klare Trennung zwischen natürlichen und künstlichen Trans-Fettsäuren ist demnach aus medizinischer Sicht absolut sinnvoll“, sagt Gerhard Jahreis. „Das eine ist überwiegend gesund, das andere hat in Lebensmitteln nichts verloren.“ Der Professor an der Universität Jena findet eine gesetzliche Regelung wie in Dänemark, die sich ausdrücklich auf die industriellen Transfette bezieht, „zwar hart, aber aufgrund der Daten, die uns vorliegen, durchaus konsequent und richtig“. Besser noch als die Regelung der US-Behörden, die ab 2006 eine zwingende Deklarierung des Transfett-Gehalts auf den Etiketten der Produkte vorschreiben.

Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat steht einer eigenen Gesetzesinitiative hingegen eher ablehnend gegenüber: „Laut EFSA ist das Gefährdungspotenzial für die Bevölkerung gering, einseitige Maßnahmen von einzelnen Mitgliedsstaaten daher nicht erforderlich.“ Sie habe jedoch den Auftrag erteilt, das konkrete Gefährdungspotenzial bei Kindern und Jugendlichen festzustellen.

Petra Lehner, Ernährungsexpertin der Arbeiterkammer Wien, wollte nicht so lange warten und gab bereits Ende des Vorjahres einen Produkttest in Auftrag, der den derzeitigen tatsächlichen Gehalt an Trans-Fettsäuren ermitteln sollte. „Es reden ansonsten alle über Dinge, die völlig im Dunkeln liegen. In Österreich hat ja schon fast zehn Jahre lang niemand mehr gemessen.“

Bauchweh. Karl-Heinz Wagner, von dem auch die letzte Untersuchung stammt, ging also an eine Neuauflage. Nun liegen die Testergebnisse von insgesamt mehr als 80 verschiedenen Lebensmitteln profil exklusiv vor (siehe Produkttest). Mehr als ein Viertel der getesteten Produkte lag – zum Teil deutlich – über dem dänischen Grenzwert von zwei Prozent und wäre damit nach den geltenden Bestimmungen in Dänemark verboten. „Am meisten Bauchweh“, sagt Lehner, „machen mir die schlechten Ergebnisse bei den Backwaren. Manche Croissants liegen sogar beim Fünffachen des dänischen Grenzwertes.“

Wagner gibt vor allem zu bedenken, dass viele der Produkte mit den besonders schlechten Werten zu den bevorzugten Speisen der Kinder und Jugendlichen gehören. „Wer zu den falschen Nahrungsmitteln greift, kann pro Tag auf fünf und mehr Gramm pure Trans-Fettsäuren kommen“, sagt Wagner. „Und den Experten möchte ich sehen, der das noch für harmlos erklärt.“

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Imbissketten: Fast Food im Visier
Belastende Studien und Werbebeschränkungen


„Alarmierend schlechte Werte“
Wagner über Seifenblasen in der Ernährungslehre

Reaktionen: Aus-stieg wird überlegt
Wie die Transfett-Sünder auf die Studie reagierten

„Alarmierend schlechte Werte“

Der Wiener Ernährungswissenschafter Karl-Heinz Wagner über Seifenblasen in der Ernährungslehre und die Gewissheit, dass es sich bei der Warnung vor den Transfetten um keine wissenschaftliche Eintagsfliege handelt.

profil: Gerade hat sich Fett in der allgemeinen Wahrnehmung ein wenig vom schlechten Image erholt. Versetzen Sie ihm nun mit Ihrer Untersuchung den Todesstoß?
Wagner: Keineswegs. Wir müssen weg von der generellen Fettverteufelung hin zur bewussten Auswahl der guten Fette. Wenn die Qualität stimmt, ist Fett gesund. Mehrfach ungesättigte Öle wie Leinöl oder Maiskeimöl haben einen tollen Einfluss auf den Cholesterinspiegel. Olivenöl kann vor Brustkrebs und Herzkrankheiten schützen. Bei industriell hergestellten Trans-Fettsäuren sind hingegen keinerlei positive Wirkungen bekannt.
profil: Wie beurteilen Sie Ihre Ergebnisse?
Wagner: Wir haben vor acht Jahren schon einmal so einen Test auf Trans-Fettsäuren durchgeführt. Seither hat sich einiges zum Besseren verändert. Vor allem bei den Snacks. Wir waren wirklich positiv überrascht, dass wir in Chips, Popcorn oder bei Keksen kaum noch Transfette fanden. In einigen Bereichen hat sich die Situation aber wenig gebessert oder sogar verschlechtert. Beispielsweise bei den Schoko-Donuts und einigen anderen Fast-Food-Produkten.
profil: Haben Sie die niedrigen Werte bei Margarine erwartet?
Wagner: Ja, wir wussten, dass die Hersteller hier große Anstrengungen unternommen haben. Nur leider betrifft das nur die Haushaltsmargarinen. In vielen Backmargarinen scheinen noch hohe Mengen enthalten zu sein, was die alarmierend schlechten Werte bei Croissants, Kipferln und Golatschen zeigen.
profil: Viele Menschen sind bereits skeptisch, wenn immer wieder vor gefährlichen Inhaltsstoffen in Lebensmitteln gewarnt wird, und in einem Jahr spricht niemand mehr davon.
Wagner: Manchmal habe ich auch diesen Eindruck. Beim Thema Acrylamid hat man beispielsweise weit übers Ziel geschossen. Bei den Trans-Fettsäuren liegt der Fall jedoch anders. Hier ist die Problematik schon seit zumindest Anfang der neunziger Jahre bekannt. Und es gibt unzählige Studien, die beweisen, dass diese Fettsäuren viele ungünstige Auswirkungen auf den Stoffwechsel des Menschen haben.
profil: Warum werden sie dann nach wie vor verwendet?
Wagner: Je weniger Doppelbindungen eine Fettsäure hat, desto länger kann ich sie erhitzen. Sie oxidiert weniger leicht und wird nicht so schnell ranzig. Die Trans-Fettsäuren verhalten sich physiologisch wie gesättigte Fette. Und das ist natürlich schön für die Produktion. Sie haben ein pflanzliches Produkt, das alle produktionstechnischen Vorteile der tierischen Fette hat. Nur leider ist eben hier das pflanzliche Produkt durch die Härtung sogar gesundheitsschädlicher als das tierische.
profil: Was machen Transfette denn konkret?
Wagner: So wie die gesättigten tierischen Fette erhöhen sie das so genannte böse LDL-Cholesterin. Darüber hinaus senken sie aber auch noch das gute HDL-Cholesterin. Zudem bauen sich Trans-Fettsäuren in die Zellmembranen ein. Ihre Oberfläche wird dadurch spröde, der Nährstofftransport funktioniert schlechter. Das ist besonders problematisch bei Jugendlichen im Wachstum und vor allem für die Entwicklung des Fötus. Studien zeigten, dass Mütter, die hohe Mengen an Trans-Fettsäuren essen, ein deutlich höheres Risiko haben, eine Frühgeburt oder ein Baby mit geringem Geburtsgewicht zu bekommen.
profil: Ist es für die Industrie nur eine Geldfrage, warum sie nicht umstellt?
Wagner: Großteils ja. Man muss aufwändiger frittieren, und hochwertiges Öl ist etwas teurer. Viele Firmen sind ja dankenswerterweise schon auf gesunde Öle und Fette umgestiegen. Andere brauchen aber scheinbar einen kräftigen Anstoß von außen.
profil: Ein Verbot wie in Dänemark?
Wagner: Ja, durchaus. Die dänische Regelung geht sicher in die richtige Richtung und wäre langfristig ein Ziel für ganz Europa.

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Belastende Studien und Werbebeschränkungen


„Alarmierend schlechte Werte“
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Reaktionen: Aus-stieg wird überlegt
Wie die Transfett-Sünder auf die Studie reagierten

Neue belastende Studien und mögliche Werbebeschränkungen machen McDonald’s & Co kräftig zu schaffen.

Das Jahr 2005 begann nicht gut für die Branche. Anfang Jänner publizierte das renommierte Medizinjournal „Lancet“ eine Studie, für die mehr als 3000 anfangs junge, gesunde Testpersonen 15 Jahre lang beobachtet worden waren. Am Ende stellte sich heraus, dass jene, die mindestens zweimal wöchentlich Fast Food konsumiert hatten, im Schnitt um fünf Kilogramm schwerer waren als jene, die den Hamburger-Tempeln eher fern geblieben waren. Andere Ernährung oder Sport spielte dabei keine Rolle. Wichtigster Risikofaktor war alleine der Fast-Food-Konsum. Und es blieb nicht nur beim Übergewicht: Diese Gruppe zeigte auch schlechtere Blutfettwerte und höhere Anzeichen von Insulinresistenz, einem Hochrisikofaktor für Diabetes.

Die Studie schließt damit nahtlos an andere Belege an, die zeigen, dass Fast Food speziell für Jugendliche eine regelrechte Gewichtsfalle darstellt. Ein doppelter Burger mit großem Cola und Pommes liefert mehr als 1200 Kilokalorien. Das ist der halbe Tagesbedarf eines 14-Jährigen. Die Kinder kompensieren diese Energiebombe aber nicht dadurch, dass sie den restlichen Tag über weniger essen. Der Hunger kehrt rasch zurück, und damit ist jeder Fast-Food-Tag ein Masttag.
Speziell in Kombination mit mangelnder Bewegung. Die Zeiten, wo Jugendliche nach dem Mittagessen per Fahrrad zum Kicken fuhren, gehören der Vergangenheit an. Eine Studie aus Deutschland ergab, dass Jugendliche pro Woche 18,6 Stunden vor dem Fernseher und dazu noch 9,4 Stunden vor dem Computer sitzen. Buben sind für die visuelle Berieselung mit insgesamt 33 Stunden noch wesentlich anfälliger. Für Bewegung bleibt da natürlich nicht mehr viel Zeit. Der neue EU-Kommissar für Gesundheit und Verbraucherschutz, Markos Kyprianou, verkündete, er werde „an Kinder gerichtete Werbung für ungesunde Nahrungsmittel“ verbieten, wenn sich die Branche keine Selbstbeschränkung auferlege.

Der amerikanische Dokumentarfilmer Morgan Spurlock drehte einen Film über sich selbst: Binnen vier Wochen brachte er es mit seiner McDonald’s-Diät auf einen Speckpolster von zusätzlichen zwölf Kilogramm. Seine Blut- und Leberwerte verschlechterten sich in dieser kurzen Zeit so dramatisch, dass sein Arzt ihm riet, seinen „Supersize Mac“-Selbstversuch schleunigst abzubrechen.

Wie eine zynische Bestätigung dieser Befürchtungen klingen da die jüngsten tragischen Todesfälle an der Spitze der Fast-Food-Kette. Im April 2004 starb Konzernchef Jim Cantalupo im Alter von 60 Jahren während einer McDonald’s-Betriebsfeier überraschend an einem Herzanfall. Sein Nachfolger wurde der charismatische Australier Charlie Bell, der seine Karriere als Servicemann bereits mit 15 Jahren bei McDonald’s begonnen hatte. Er erzählte gerne, dass er über all die Jahre beinahe täglich „am Arbeitsplatz“ gegessen habe. Nur einen Monat nach der Übernahme seines Postens als Herr über mehr als 30.000 Restaurants in 118 Ländern wurde bei Bell Darmkrebs diagnostiziert. Mitte Januar ist er nun im Alter von 44 Jahren daran gestorben.

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Firmen-Reaktionen: Ausstieg wird überlegt


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Reaktionen: Aus-stieg wird überlegt
Wie die Transfett-Sünder auf die Studie reagierten

Wie die Transfett-Sünder auf die Ergebnisse der Wiener Transfett-Studie reagierten.

McDonald’s Österreich antwortete auf die Übermittlung der Testwerte mit der Feststellung, „dass McDonald’s mit seinen Lieferanten bereits seit 1990 daran arbeitet, den Prozentsatz von TransFettsäuren im pflanzlichen Frittierfett bedeutend zu reduzieren“. Neu entwickelte Mischungen aus Sonnenblumen-, Palm- und Rapsöl würden in den Restaurants laufend getestet, berichtet die Firmensprecherin Carola Ullrich-Purtscher. „Da das Angebot an diesen Ölsaaten jedoch beschränkt und die Versorgung oft unzulänglich ist, ermutigt McDonald’s immer wieder seine Lieferanten, den Anbau dieser Saaten zu unterstützen.“

Die Fast-Food-Kette Burger King sei laut Stellungnahme der Londoner Konzernzentrale derzeit dabei, „bei allen Kernprodukten auf die ausschließliche Verwendung von Transfett-freien Ölen“ umzustellen. Die Lieferung dieser Öle werde im März 2005 beginnen, wobei „Europa als internationaler Test für die Umstellung in anderen Weltregionen fungieren“ werde. Alle Burger-King-Lieferanten seien verpflichtet worden, bei dieser Anti-Transfett-Politik mitzuziehen. Und das, so heißt es in dem Schreiben, „obwohl der branchenweit empfohlene Richtwert derzeit noch bei einem Transfett-Gehalt von sieben Prozent liegt“.

Anker-Sprecherin Martina Wollersdorfer teilt im Namen des Großbäckers mit, „dass wir als Beitrag zu dieser Thematik derzeit nur die Möglichkeit sehen, auf Anbieter von Margarine mit niedrigerem Trans-Fettsäure-Gehalt auszuweichen, sofern solche am Markt zu entsprechenden Bedingungen verfügbar sind“. Am vernünftigsten wären allgemein definierte Grenzwerte, an die sich die Fettindustrie halten muss.

Spar-Sprecherin Nicole Berkmann lässt wissen, man halte sich an die derzeit geltenden Gesetze. „Das Thema beginnt gerade erst in Österreich diskutiert zu werden. Wir sind dabei, uns kundig zu machen, damit wir eventuelle Schritte einleiten können.“

Hofer verweist auf den Bericht der Europäischen Lebensmittelbehörde, der derzeit keinen Handlungsbedarf sieht.

Billa betont, dass die Produkte in ihren Feinkostabteilungen von verschiedenen Zulieferfirmen stammen.

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Gesunde gesättigte Fette

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