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Informationen zur Verwendung von importierter Soja bzw. Sojaextraktionsschrot als Futtermittel

http://www.ages.at/

Warum wird Soja als Futtermittel verwendet? Warum gibt es keine Alternativen zu Importen? Warum gibt es zu wenig Eiweißfuttermittel in Österreich/Europa?

Die Sojabohne bzw. daraus hergestellte Sojaextraktionsschrote oder -kuchen sind auf Grund ihres hohen Eiweiß- und Energiegehaltes sowie ihrer Schmackhaftigkeit hervorragende Futtermittel. Sojaschrot wird handelsüblich mit 44 Prozent und 48 Prozent Rohprotein angeboten. In Österreich sowie in ganz Europa herrscht am Futtermittelmarkt eine große Eiweißlücke (Tiermehlverbot, hoher Eiweißbedarf). Trotz intensiver Suche nach alternativen Eiweißfuttermitteln wie z. B. Raps, Sonnenblume, Lein, Kürbiskern, Ackerbohne, Erbse, Maiskleber, Kartoffeleiweiß, Trockenschlempe (DDGS) etc. kann ohne Soja-Importe aus Drittstaaten (= Nicht-EU-Länder) eine bedarfsgerechte Tierproduktion v. a. für Monogastrier (= Tiere mit einhöhligem Magen wie Huhn, Schwein, etc.) nicht aufrecht erhalten werden.  

Warum ist importierter Soja bzw. Sojaextraktionsschrot gentechnisch verändert?

Die wichtigsten Sojaexporteure in die EU sind USA, Kanada, Argentinien und Brasilien. Der Anteil der Anbaufläche an gentechnisch veränderter Sojabohne nahm in den vergangenen 10 Jahren  vor allem in den USA, Kanada und Brasilien enorm zu, wogegen die Anbauflächen für nicht gentechnisch veränderte Sojabohne abnehmen. In Kanada, den USA und Argentinien werden heute zu nahezu 100 Prozent GVO-Sojabohnen angebaut, in  Brasilien betrug im Jahr 2007 der Anteil für gentechnisch unveränderte Sojabohne noch 35 Prozent der gesamten Soja-Anbaufläche. Aufgrund des hohen Kontaminationsrisikos kann Nicht-GVO-Sojaschrot nur in völlig getrennten Transport- und Produktionssystemen transportiert bzw. verarbeitet werden.
http://www.transgen.de/anbau/eu_international/201.doku.html

Warum wird Sojabohne nicht in Österreich angebaut?

In Österreich wird aufgrund der herrschenden agrarischen Rahmenbedingungen nur relativ wenig Sojabohne angebaut. Hauptursache dafür sind Klima (Trockenheit), mangelnde Ertragsstabilität und eingeschränkte Gebiete mit günstigen natürlichen Produktionsbedingungen. Zudem steht Sojabohne in den ackerbaulich günstigen Anbaugebieten in direkter Konkurrenz zum ertraglich stark überlegenen Körnermais.

Wie hoch sind die Importe nach Österreich?

Bei den 600.000 t Sojaschrot – die Mengen schwanken von Jahr zu Jahr zwischen 500.000 und 600.000 t – handelt es sich einerseits um kennzeichnungspflichtigen GVO-Soja (ca. 90 Prozent der importierten Menge) und andererseits um nicht kennzeichnungspflichtigen Soja. Der Sojaanbau in Österreich liefert etwa 50.000 t Sojabohne (gentechnikfrei). Importe von anderen GVO-Futtermitteln wie GVO-Mais sind derzeit für Österreich nicht relevant, da genügend Mais aus heimischer Produktion zur Verfügung steht.

Im Zuge der amtliche Futtermittelkontrolle durch die AGES wurden in den Jahren 2004-2008 insgesamt 1123 Futtermittel auf GVO untersucht, davon mussten in diesem Zeitraum nur 69 Proben auf Grund von Kennzeichnungs-/Deklarationsfehlern bzw. geringfügiger Überschreitung des Schwellenwertes von 0,9 Prozent beanstandet werden (nur 6 Prozent Beanstandungen). Die im aktuellen risikobasierten Kontrollplan vorgesehene jährliche Anzahl Futtermittelproben beinhaltet etwa 300 Untersuchungen auf GVO.

Jahr Anzahl der untersuchten Futtermittelproben Beanstandungen der Kennzeichnung
2004 196 15
2005 164 10
2006 197 14
2007 292 15
2008 277 15
Summe 1126 69

Was ist kennzeichnungspflichtig? Was ist kennzeichnungspflichtiger Soja?

Kennzeichnungs- bzw. deklarationspflichtig ist eine Ware gemäß VO(EG)1829/2003 dann, wenn sie mehr als 0,9 Prozent eines in der EU zugelassenen GVO-Sojas enthält. Dies bedeutet, die Ware ist mit der Bezeichnung „Sojaextraktionsschrot aus/mit GVO“ zu kennzeichnen. In der EU ist derzeit nur ein einziges GVO-Soja-Konstrukt zugelassen (Round up Ready Soja). Für nicht zugelassene GVO-Konstrukte herrscht hingegen eine absolute Nulltoleranz. 

Was ist nicht kennzeichnungspflichtiger Soja?

Nicht kennzeichnungspflichtig ist eine Ware nur dann, wenn sie ein unter dem gesetzlichen Schwellenwert von 0,9 Prozent liegendes, in der EU zugelassenes GVO-Soja-Konstrukt enthält, vorausgesetzt dieser Anteil ist zufällig oder technisch unvermeidbar. In der Deklaration wird diese Ware nur mit „Sojaextraktionsschrot“ bezeichnet.

Was sind gentechnikfrei produzierte Lebensmittel (Auslobung gentechnikfrei)?

In Österreich dürfen von Tieren stammende Lebensmittel (Fleisch, Milch, Eier) nur dann „als gentechnikfrei produziert“ oder „ohne Gentechnik“ ausgelobt oder beworben werden, wenn die Tiere entweder nach der österreichischen Richtlinie des Codex Alimentarius Austriacus zur Definition der „Gentechnikfreien Produktion“ von Lebensmitteln und deren Kennzeichnung (kurz: Codex „gentechnikfrei“) entsprechend gefüttert oder gemäß den Richtlinien VO(EG) 2092/91 (Bioverordnung) gehalten und gefüttert wurden. Das AMA Gütesiegel trifft keine Aussage, ob oder ob nicht mit deklarationspflichtigem Sojaschrot gefüttert wurde. Das AMA Gütesiegel garantiert österreichische Herkunft, Kontrollen und eine definierte Qualität: http://www.ama-marketing.at/index.php?id=28&tx_ttnews%5Btt_news%5D=322&cHash=4645e1f22e

Seit 2005 wird bereits ein großer Anteil der österreichischen Milchprodukte in/aus Österreich gentechnikfrei produziert und nach Codex „gentechnikfrei“ ausgelobt.

Sämtliche Serviceleistungen der AGES in Bezug auf GVO finden Sie unter
http://www.ages.at/landwirtschaft/ernaehrungssicherheit/gvo/

Die AGES  hat bereits in den Jahren 2004 und 2005 verschiedene Studien zum GVO-Thema veröffentlicht (Koexistenz- und Machbarkeitstudie):

Machbarkeitsstudie zu Auslobung „gentechnikfrei“ und Vermeidung von GVO bei Lebensmitteln aus tierischer Erzeugung

Koexistenz-Studie: „Die Produktion von Saatgut in abgegrenzten Erzeugungsprozessen zur Vermeidung einer Verunreinigung mit Gentechnisch Veränderten Organismen im Kontext mit der Koexistenz von konventioneller Landwirtschaft mit oder ohne GVO und ökologischer Landwirtschaft“

Gentransfer bei Mais: Die Studie Juli 2006 sowie die Studie Juni 2008 ist hier abrufbar.

Seit 2001 führt die AGES das GVO Monitoring beiSaatgut jährlich durch:

Monitoringberichte

Seit Oktober 2008 hat die AGES den Aufgabenbereich der Bewertung von GVO-Neuanträgen in der EU übernommen, wobei die von den Antragstellern eingereichten Dossierdaten von den Experten und Expertinnen der verschiedenen Bereiche und Institute (Daten/Statistik/Risikobewertung, Saatgut, Futtermittel usf.) auf ihre Sicherheit bewertet werden.Weiters stellte die AGES bereits zweimal Fachexperten aus den Bereichen Daten, Statistik und Risikobewertung und Landwirtschaft (Institut für Futtermittel und Institut für Saatgut) zur Verteidigung des österreichischen Import- und Anbauverbots für bestimmte Mais- und Rapskonstrukte vor der Europäischen Lebensmittelbehörde (EFSA) in Parma zur Verfügung.

Welchen Zusammenhang/welche Verbindung gibt es mit der AGES und der veterinärmedizinischen Studie von Velimirow/Zentek/Binter?

Die Langzeit-Reproduktionsstudie der Veterinärmedizinischen Universität Wien und des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (2008) wurde mit Mais MON 810x Nk603, einem staked event, durchgeführt. Diese Studie wurde im Rahmen einer GVO-Fachtagung in der AGES am 11.11.2008 von Univ.-Prof. Dr. Jürgen Zentek erstmals vorgestellt.„Biological effects of transgenic maize NK603 x MON810 fed in long term reproduction studies in maize“

http://bmgfj.cms.apa.at/cms/site/standard.html?channel=CH0810&doc=CMS1226492832306

GV-Sorten, verboten in Österreich

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